Peter-Thiel-Beteiligung an Drohnen-Start-up entfacht politische Debatte in Berlin

13.04.2026


Die Bundeswehr treibt ihre Drohnenaufrüstung mit hohem Tempo voran und stellt die geplante Brigade in Litauen in den Mittelpunkt der Beschaffungen. Kern des Vorhabens ist der großflächige Einsatz sogenannter Loitering Munition, im Militärjargon häufig als Kamikaze-Drohnen bezeichnet. Diese bewaffneten Flugkörper kreisen über einem Zielgebiet, bis ein Operator den Angriff freigibt und die Drohne entweder eine Sprengladung abwirft oder sich selbst auf das Ziel stürzt. Ziel der Bundesregierung ist es, die Systeme als neue Schlüsselfähigkeit zu etablieren und sie bis 2027 an der NATO-Ostflanke einsatzbereit zu machen.

Über den Haushaltsausschuss des Bundestags soll in Kürze ein weiterer Milliardenauftrag an den Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall gebilligt werden. Bereits zuvor waren erste Tranchen an die deutschen Start-ups Helsing aus München und Stark Defence aus Berlin vergeben worden. Nach Angaben von Nachrichtenagenturen beläuft sich der Umfang dieser ersten Verträge zusammen auf rund 536 bis 540 Millionen Euro, wobei der ursprünglich größere Finanzrahmen politisch gedeckelt und an zusätzliche parlamentarische Kontrolle geknüpft wurde. Insgesamt rechnen alle drei Unternehmen – Helsing, Stark Defence und Rheinmetall – mit Aufträgen in Höhe von jeweils mehreren Hundert Millionen Euro mit Erweiterungsoptionen in den Milliardenbereich.

Die militärische Logik hinter dem Projekt speist sich maßgeblich aus den Erfahrungen des Ukraine-Kriegs, in dem Drohnen das Gefechtsfeld zunehmend prägen. Die Bundeswehr sieht in Loitering Munition ein Mittel, Ziele auf größere Distanz zu bekämpfen, ohne eigene Soldaten direkt zu gefährden. Die Systeme sollen unterschiedliche Einsatzprofile abdecken, technologische Konkurrenz zwischen mehreren Anbietern sichern und zugleich die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern reduzieren. Helsing liefert mit dem katapultgestarteten Modell HX-2 ein System, das laut Unternehmensangaben Ziele in großer Entfernung angreifen kann; Stark Defence wirbt für sein System „Virtus“ mit hoher Reichweite und KI-gestützter Technologie. Die Drohnen sollen zudem so ausgelegt sein, dass sie gegen elektronische Störmaßnahmen robuster werden.

Politisch bleibt die Aufrüstung dennoch umstritten. Berichte über Probleme bei der Treffsicherheit in früheren Tests nähren Zweifel an der Leistungsfähigkeit einzelner Systeme. Zusätzliche Brisanz erhält das Projekt durch die Beteiligung des US-Investors Peter Thiel an Stark Defence. Thiel, der in den USA als Unterstützer des früheren Präsidenten Donald Trump gilt, hält einen Anteil im einstelligen Prozentbereich. Kritiker im politischen Raum hatten Fragen nach Einflussmöglichkeiten und sicherheitspolitischer Sensibilität der Beteiligungsstruktur aufgeworfen. Das Verteidigungsministerium verweist hingegen darauf, dass Thiel nach bisheriger Darstellung keinen Zugriff auf kritische Unternehmensentscheidungen habe und sieht die wesentlichen Bedenken als adressiert an. Die Bundesregierung hält damit an ihrer Linie fest, die Fähigkeiten der Bundeswehr in Litauen trotz offener Diskussionspunkte zügig auszubauen.

Other news

Glücksspiel in Deutschland: Millionenumsätze im Schatten, 1,2 Millionen Problemspieler

13.04.2026


Der boomende Glücksspiel-Schwarzmarkt in Deutschland verschärft den Druck auf Politik, Behörden und regulierte Anbieter. Automatenhersteller und -betreiber berichten von einem massiven Abwandern der Spieler in illegale Angebote, während Suchtexperten vor den sozialen und finanziellen Folgen warnen. Obwohl der Staat auf Bundes- und Länderebene das Problem erkannt hat, wächst die Kritik, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um den Schattenmarkt wirksam einzudämmen.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler, fordert schärfere Kontrollen und eine konsequentere Regulierung. Illegale Märkte müssten entschlossen bekämpft werden, zugleich solle das legale Angebot begrenzt werden, etwa durch größere Mindestabstände zwischen Spielhallen und Wettbüros. Fiedler verweist auf die hohen sozialen Kosten: Glücksspielsucht sei aus Sicht der Betroffenen die „teuerste Suchterkrankung“ und führe häufig zu Überschuldung, sozialem Abstieg sowie Beschaffungs- und Begleitkriminalität.

Auch der Bundessuchtbeauftragte Hendrik Streeck warnt vor dem hohen Suchtpotenzial. Schätzungen zufolge entwickeln in Deutschland rund 1,2 Millionen Menschen ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten. Existenzen könnten in kurzer Zeit zerstört werden, betont der CDU-Politiker. Er drängt darauf, illegales Glücksspiel wirksam zurückzudrängen und gleichzeitig sicherzustellen, dass legale Angebote ihrem Anspruch gerecht werden: Schutz zu bieten und Risiken zu begrenzen.

Die legalen Anbieter sehen sich unterdessen zwischen strengen Vorgaben und wachsender Konkurrenz aus dem Untergrund eingeklemmt. Merkur-Vizechef Manfred Stoffers spricht davon, dass der Schwarzmarkt „grassiert“. Die Regeln seien derart restriktiv, dass viele Spieler zu illegalen Angeboten abwanderten. Merkur stellt Spielautomaten her, betreibt Spielbanken und bietet Online-Spiele an. Beim Wettbewerber Löwen Entertainment heißt es, das illegale Angebot fresse den legalen Markt auf. Bundesweit gibt es nach Schätzungen rund 160.000 legale Glücksspielautomaten – etwa 100.000 weniger als vor zehn Jahren. Dem stehen mindestens 60.000, nach anderen Schätzungen sogar mehr als 100.000 illegal aufgestellte Geräte gegenüber, häufig in Kneipen oder Hinterzimmern von Vereinen und anderen Einrichtungen.

Die Strafverfolgungsbehörden registrieren die Entwicklung mit Sorge. In Nordrhein-Westfalen deckte die Polizei im vergangenen Jahr nach Angaben des Innenministeriums 350 unerlaubte Glücksspielveranstaltungen auf, 15 mehr als im Vorjahr. Dabei geht es um Pokerrunden, andere Spiele und den Betrieb nicht genehmigter Automaten. Das Landeskriminalamt schätzt, dass Kriminelle durch den professionellen Betrieb von Glücksspielen Einnahmen in Millionenhöhe erzielen, teils mit Strukturen, die Bezüge zur organisierten Kriminalität aufweisen. Während Politik und Branche über die richtige Balance zwischen Regulierung, Suchtprävention und Marktzugang ringen, wächst der Schattenmarkt weiter – und mit ihm der Handlungsdruck auf den Gesetzgeber.