
Lindt & Sprüngli bekommt die Kombination aus Konsumflaute und ungewöhnlich heißem Sommer deutlich zu spüren. Der Schweizer Schokoladenhersteller hat seine Umsatzprognose für das laufende Jahr spürbar nach unten korrigiert. Statt eines Wachstums von vier bis sechs Prozent rechnet der Konzern nach eigenen Angaben nun nur noch mit einer stagnierenden Entwicklung oder im besten Fall einem Plus von bis zu zwei Prozent. An den Aktienmärkten sorgte der Schritt für Ernüchterung: Die Lindt-Aktie rutschte um 6,3 Prozent ab und markierte ein Jahrestief, insgesamt liegt sie mehr als ein Drittel unter dem Jahreshoch.
Als Hauptgründe nennt das Unternehmen die hohe Preissensibilität der Verbraucher und die extreme Hitze in Europa in diesem Sommer. Kunden hätten bei gestiegenen Preisen eher auf den Schokoladeneinkauf verzichtet, insbesondere im margenstarken Saisongeschäft. Das Auftragsvolumen blieb vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig habe die Hitze den Schokoladenkonsum branchenweit gebremst. In anderen Regionen wie Nordamerika und Asien verzeichnete Lindt dagegen ein robustes Wachstum.
Der Konzern versucht nun gegenzusteuern und setzt verstärkt auf Preisnachlässe und Rabattaktionen. So werden die bekannten Schoko-Weihnachtsmänner in Deutschland derzeit günstiger angeboten als Ende 2025: Der Preis für die 70-Gramm-Variante sank von 3,99 auf 3,69 Euro. Im Düsseldorfer Geschäft warb Lindt in den vergangenen Wochen prominent für Preissenkungen; Tafeln der Premiumlinie Excellence wurden von 4,99 auf 2,99 Euro reduziert. Zugleich kündigt das Management eine „angepasste Preisstrategie“ an, hält jedoch am Ziel fest, die Gewinnmarge um 20 bis 40 Basispunkte zu verbessern.
Für das kommende Jahr zeigt sich der traditionsreiche Hersteller zuversichtlicher. Lindt rechnet mit sinkenden Kakaopreisen und stellt ein wieder positives Volumenwachstum in Aussicht. Zusätzlich zu Preisanpassungen will der Konzern weitere Kosten einsparen, stärker in seine Marken investieren und neue Produkte auf den Markt bringen. Mittel- bis langfristig, ab 2028, bestätigt Lindt seine bisherigen Zielvorgaben. Der Konzern mit Sitz in Kilchberg bei Zürich beschäftigt weltweit gut 15.000 Mitarbeitende, produziert an zwölf Standorten in Europa und den USA und betreibt rund 650 eigene Shops. 2025 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 5,9 Milliarden Schweizer Franken, umgerechnet gut 6,2 Milliarden Euro.

Im Magdeburger Landtag steht ein Einschnitt in der bundesdeutschen Parlamentsgeschichte bevor: Erstmals könnte ein Abgeordneter der AfD das Amt des Landtagspräsidenten übernehmen. Der 35-jährige Tobias Rausch, seit 2016 Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt und Generalsekretär der AfD im Bundesland, geht mit einer komfortablen Mehrheit in die konstituierende Sitzung. Nach ihrem klaren Wahlsieg stellt die AfD künftig 39 der 83 Abgeordneten und ist damit die mit Abstand stärkste Fraktion.
Den entscheidenden Schub liefert das Bündnis mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Die fünf BSW-Abgeordneten wollen geschlossen für Rausch stimmen und kommen gemeinsam mit der AfD auf 44 Stimmen. BSW-Fraktionschef Thomas Schulze verweist auf parlamentarische Gepflogenheiten: Als stärkste Fraktion habe die AfD laut Geschäftsordnung Anspruch auf den Vorsitz im Parlament. Eine politische Blockbildung gegen die AfD lehnt Schulze ab und präsentiert die Zustimmung zur Wahl des Landtagspräsidenten als Signal eines „neuen Politikstils“.
Die übrigen Fraktionen reagieren gespalten. CDU, SPD, Grüne und Linke verfügen zusammen ebenfalls über 39 Mandate, treten aber nicht geschlossen gegen die AfD an. Die CDU hat angekündigt, sich bei der Wahl zu enthalten – Enthaltungen zählen in diesem Verfahren nicht als abgegebene Stimmen. SPD, Grüne und Linke wollen gegen Rausch stimmen. Spannend bleibt damit vor allem die Frage, ob der AfD-Kandidat über die absehbaren 44 Ja-Stimmen hinaus zusätzliche Unterstützung erhält. Vor der geheimen Abstimmung spekulieren die Lager bereits über mögliche Abweichler; aus der AfD-Spitze heißt es, zusätzliche Stimmen könnten auch aus dem Kreis der erklärten Gegner stammen.
Parallel zur Präsidentenwahl testet die AfD aus, wie weit ihr neuer Einfluss im Landtag reicht. Die Fraktion will die Geschäftsordnung ändern, um neben dem Präsidenten auch einen der drei Vizepräsidentenposten zu besetzen – vorgesehen ist der Abgeordnete Hans-Thomas Tillschneider. In der Vergangenheit sorgten seine Beiträge zur Bildungs- und Kulturpolitik regelmäßig für Kritik in anderen Fraktionen, die den Personalvorschlag daher als Provokation werten dürften. Ob das BSW diese Personalie ebenso mitträgt wie die Wahl von Rausch, ist bislang offen. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmungen wird die erste Sitzung des neu gewählten Landtags damit zum Testfall für künftige Zusammenarbeit und Machtarithmetik in Sachsen-Anhalt.