
Rund 15 Wochen vor der Gemeinderatswahl in Graz zeichnet die erste unabhängige Umfrage ein klares, aber politisch heikles Bild: Die KPÖ mit Bürgermeisterin Elke Kahr liegt deutlich vor allen Mitbewerbern und könnte ihr überraschendes Siegerergebnis von 2021 noch ausbauen. Laut Erhebung des Meinungsforschers Peter Hajek im Auftrag der „Kleinen Zeitung“ käme die Partei derzeit auf rund 31 Prozent der Stimmen. Damit würde sie ihren früheren Wert von 28,8 Prozent übertreffen und ihre Position als stärkste Kraft in der steirischen Landeshauptstadt festigen.
Deutlich dahinter reiht sich die ÖVP mit 20 Prozent ein, was einem spürbaren Minus gegenüber den 25,9 Prozent von 2021 entspricht. Knapp auf den Fersen der Volkspartei liegt die FPÖ mit 18 Prozent, die damit ihren früheren Wert von 10,6 Prozent klar steigern könnte. Dahinter folgen die Grünen mit 14 Prozent – nach 17,3 Prozent bei der letzten Wahl – sowie SPÖ und NEOS mit jeweils 8 Prozent. Für beide Parteien wäre das ein unterschiedlicher Befund: Die Sozialdemokratie müsste Verluste hinnehmen (zuvor 9,5 Prozent), die NEOS würden dagegen zulegen (2021: 5,4 Prozent). Die Korruptionsfreien (KFG), eine Abspaltung von der FPÖ im Zuge eines Finanzskandals, liegen laut Umfrage bei 1 Prozent und wären damit aktuell chancenlos auf den Einzug in den Gemeinderat.
In der fiktiven Direktwahl um das Bürgermeisteramt vergrößert sich der Abstand noch: Elke Kahr kommt in diesem Szenario auf 43 Prozent und liegt damit deutlich über dem KPÖ-Parteiergebnis. ÖVP-Stadtparteiobmann Kurt Hohensinner erreicht 18 Prozent, FPÖ-Kandidat René Apfelknab 7 Prozent. Grüne Vizebürgermeisterin Judith Schwentner und NEOS-Spitzenkandidat Philipp Pointner liegen mit jeweils 3 Prozent klar zurück. Meinungsforscher Hajek führt die starke Spitzenposition der KPÖ maßgeblich auf Kahr zurück; sie habe im Amt „an Statur gewonnen“. Offen bleibt für ihn, ob sie die aktuelle Dynamik bis zum Wahltag am 28. Juni halten kann.
Während das Rennen um Platz eins damit weitgehend entschieden wirkt, rückt eine andere Frage in den Vordergrund: Wie stabil sind die Mehrheitsverhältnisse nach der Wahl? Rechnerisch kommen KPÖ, Grüne und SPÖ laut Umfrage gemeinsam auf rund 53 Prozent, was eine Fortsetzung der linken Koalition ermöglichen würde. Politisch ist die Lage jedoch komplexer. Innerhalb der SPÖ gibt es demnach die klare Ansage, nicht in den Stadtsenat zurückzukehren und keine neue Koalition einzugehen. Für einen Sitz im Stadtsenat wären etwas mehr als zehn Prozent notwendig – ein Wert, der sich nach derzeitigem Stand selbst unter Ausnutzung der Schwankungsbreite nur schwer erreichen ließe. Ohne SPÖ bliebe eine Zweierkoalition aus KPÖ und Grünen mit etwa 45 Prozent klar unter der Mehrheitsschwelle.
Damit zeichnet sich ab, dass der aktuelle Höhenflug der KPÖ zu einem Pyrrhussieg werden könnte: Die Partei würde die Wahl gewinnen, stünde aber vor erschwerten Bedingungen bei der Regierungsbildung. Ein Comeback eines Bündnisses von ÖVP und FPÖ, das 2021 abgewählt wurde, erscheint laut derzeitigem Zahlenstand ebenfalls außerhalb der Reichweite einer absoluten Mehrheit. Die Wochen nach der Wahl könnten damit politisch spannender werden als der Wahlabend selbst – mit einem starken Wahlsieger, aber womöglich ohne klare Koalitionslösung.
Unmittelbar vor Beginn der Leipziger Buchmesse 2026 gerät die Kulturpolitik des parteilosen Kulturstaatsministers Wolfram Weimer in den Fokus. In Sachsen sorgt der von Weimer verfügte Stopp des geplanten Erweiterungsbaus der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Leipzig für scharfe Kritik. Die kulturpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Sächsischen Landtag, Luise Neuhaus-Wartenberg, warnt vor einem drohenden Verlust von rund sieben Millionen Euro, die bereits in die Planung des Projekts geflossen seien. Die DNB hatte zuvor darauf hingewiesen, dass die Magazinkapazitäten am Leipziger Standort nahezu ausgeschöpft seien.
Weimer hatte den Ausbau mit dem Hinweis gestoppt, dass künftig die Digitalisierung stärker in den Mittelpunkt rücken müsse. Aus Sicht der Linken greift diese Begründung zu kurz. Neuhaus-Wartenberg betont, Digitalisierung sei zwar wichtig, könne aber die dauerhafte Sicherung gedruckter Medien, insbesondere von Büchern, nicht ersetzen. Der Schritt sei kultur- wie haushaltspolitisch nicht nachvollziehbar und komme für Leipzig als Buch- und Bibliotheksstandort zur Unzeit – wenige Tage vor der Eröffnung der Buchmesse.
Auch auf der Messe selbst steht der Kulturstaatsminister im Zentrum der Aufmerksamkeit. Weimer hält traditionell die Eröffnungsrede und wird zu einem Rundgang sowie zu einer Diskussionsrunde über Meinungsfreiheit erwartet. Parallel dazu läuft eine Debatte über seine Entscheidung, die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises abzusagen, nachdem zuvor drei linke Buchläden von der Nominierungsliste gestrichen worden waren. Die Buchmesse-Leitung bedauerte die Absage der Preisverleihung, verweist jedoch darauf, dass sie an dieser Entscheidung nicht beteiligt war. Vor dem Eröffnungsfestakt am Mittwochabend ist zudem eine Demonstration angekündigt; ob es darüber hinaus zu Protesten kommt, bleibt abzuwarten.
Trotz der politischen Spannungen geben sich die Veranstalter der Leipziger Buchmesse optimistisch. Die Schau, die vom 19. bis 22. März ihre Tore öffnet, verzeichnet laut Direktorin Astrid Böhmisch etwas höhere Ausstellerzahlen als im Vorjahr, als 2.040 Aussteller vertreten waren. Gerechnet wird mit rund 300.000 Besucherinnen und Besuchern. Das Programm setzt auf prominente Namen und Reichweite: Von Alice Schwarzer über Sebastian Fitzek bis hin zu Social-Media-Profilen wie Daniela Katzenberger reicht die Bandbreite der angekündigten Gäste. Ein medienwirksames Highlight ist der 18-stündige Lesemarathon von Juli Zehs Bestseller „Unterleuten“, an dem sich Bürger, Politiker, die Messe-Direktorin und die Autorin selbst beteiligen. Die Mega-Lesung wird gestreamt und soll das Publikum weit über die Messehallen hinaus erreichen.
Inhaltlich setzt die Messe 2026 einen geografischen Schwerpunkt: Anstelle eines klassischen Gastlands rückt der Donauraum als Fokusthema in den Vordergrund. Unter dem Motto „Unter Strom und zwischen Welten“ werden dort literarische und kulturelle Perspektiven aus den Anrainerstaaten vorgestellt. Während in den Messehallen die Vielfalt des Programms im Mittelpunkt steht, prägen außerhalb die Entscheidungen des Bundes zur Bibliotheks- und Buchhandlungspolitik die Debatte – und machen Leipzig in diesen Tagen erneut zur Bühne grundlegender Fragen nach Infrastruktur, Kunstfreiheit und dem Selbstverständnis der Buchstadt.