Copyright-Konflikt um KI: Kokosnuss-Verlag klagt gegen OpenAI in München

01.04.2026


Penguin Random House hat in Deutschland Klage gegen OpenAI eingereicht und wirft dem US-KI-Entwickler Urheberrechtsverletzungen an der erfolgreichen Kinderbuchreihe „Der kleine Drache Kokosnuss“ vor. Im Zentrum des Falls steht nach Verlagsangaben das Verhalten von ChatGPT: Schon mit einfachen Anfragen solle der Chatbot erkennbare Passagen aus den Büchern des Autors und Illustrators Ingo Siegner wiedergeben und zudem Illustrationen erzeugen, die der bekannten Drachenfigur Coco „zum Verwechseln ähnlich“ seien.

Die Klage wurde am 27. März beim Landgericht München gegen OpenAI Ireland Limited, den europäischen Anbieter von ChatGPT, eingereicht. Penguin Random House sieht darin nicht nur eine unerlaubte Wiedergabe urheberrechtlich geschützter Inhalte, sondern auch Hinweise darauf, dass die Werke Siegners ohne Zustimmung zum Training des KI-Systems genutzt und im Modell dauerhaft „memorisert“ worden seien. Dies sei einer Speicherung gleichzusetzen, aus der heraus das System Inhalte auf Anfrage weiterverbreiten könne.

Nach Angaben des Verlags geht ChatGPT über das Zitieren einzelner Textstellen hinaus und schlage eigeninitiativ die Erstellung druckfertiger Manuskripte vor – inklusive Buchtitel, Coverentwürfen, Klappentexten und Anleitungen zur Veröffentlichung auf Selfpublishing-Plattformen. Penguin Random House sieht dadurch sowohl die Urheberrechte Siegners als auch die eigenen exklusiven Nutzungs- und Verwertungsrechte verletzt. Eine zuvor an OpenAI gerichtete Aufforderung zur Unterlassung und Auskunft blieb demnach unbeantwortet, woraufhin der Verlag den Rechtsweg wählte.

OpenAI erklärte, man prüfe die Vorwürfe und respektiere die Rechte von Autoren und Rechteinhabern. Das Unternehmen befinde sich weltweit in Gesprächen mit Verlagen, um Modelle der Zusammenarbeit zu entwickeln, von denen beide Seiten profitieren könnten. Penguin Random House betonte zugleich, man stehe KI-Technologien grundsätzlich offen gegenüber, die Bewahrung und Durchsetzung geistigen Eigentums habe aber auch im Zeitalter künstlicher Intelligenz oberste Priorität. Das Münchner Verfahren dürfte damit über den Einzelfall hinaus Bedeutung für die rechtlichen Grenzen beim Einsatz urheberrechtlich geschützter Werke im Training von KI-Systemen erlangen.

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Dax stabilisiert sich trotz Iran-Krieg – Inflation und Ölpreis im Fokus

01.04.2026


Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag seine Vortageserholung fortgesetzt, wenn auch mit gebremstem Tempo. Der Dax legte zuletzt um 0,7 Prozent auf 22.728 Punkte zu. Damit deutet sich für den Leitindex trotz der freundlichen Tendenz zum Monatsende weiterhin ein Rückgang im März von rund zehn Prozent an. Der X-Dax hatte zum Handelsstart ein Plus von rund 0,4 Prozent auf etwa 22.650 Zähler signalisiert. Der MDax der mittelgroßen Werte rückte am späten Vormittag um 1,0 Prozent auf 28.067 Punkte vor, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,6 Prozent.

Im Hintergrund bleibt die angespannte Lage im Nahen Osten der zentrale Belastungsfaktor. Der Iran setzte rund einen Monat nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe den Beschuss benachbarter Golfstaaten mit ballistischen Raketen und Drohnen fort. Vor der Küste Dubais wurde ein kuwaitischer Öltanker getroffen; zudem meldeten Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate erneute Angriffe in der Nacht. Die Ölpreise verharren vor diesem Hintergrund auf hohem Niveau: Ein Fass der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete zuletzt gut 107 bis knapp 108 US-Dollar und damit ähnlich viel wie am Vortag.

Der Ölpreisschub schlägt zunehmend auf die Inflation im Euroraum durch und rückt die Geldpolitik in den Mittelpunkt der Marktdiskussion. Die Verbraucherpreise in der Eurozone zogen im März im Jahresvergleich um 2,5 Prozent an, nach 1,9 Prozent im Februar. Volkswirte hatten im Schnitt 2,6 Prozent erwartet. Der Anlagestratege Ulrich Stephan von der Deutschen Bank rechnet damit, dass die anziehenden Öl- und Gaspreise die Debatte um weitere Zinsschritte verschärfen: An den Märkten sind bis zum Jahresende rund drei Zinserhöhungen im Euroraum eingepreist.

Auf Einzeltitelebene sorgten vor allem Werte aus dem MDax für Bewegung. Die Aktien von Redcare Pharmacy setzten ihre bereits am Vortag dynamisch gestartete Erholung fort und führten den Index zeitweise klar an. Die Papiere stiegen um weitere 8,1 Prozent. Das Bankhaus Metzler führte das Interesse der Anleger vor allem auf Reformvorschläge für das deutsche Krankenkassensystem zurück, die aus Sicht des Markts das Geschäftsmodell der Online-Apotheke stützen könnten. Dagegen gerieten die Anteilsscheine der Norma Group nach einem vorsichtigen Ausblick des Verbindungstechnikherstellers und Autozulieferers unter Druck. Der Konzern stellt für das laufende Jahr lediglich ein Umsatzplus von bis zu 2 Prozent in Aussicht, im negativen Szenario wäre auch Stagnation möglich. Zudem soll die Dividende von 40 auf 14 Cent je Aktie sinken. Nach zuletzt deutlichen Kursgewinnen von fast 14 Prozent binnen fünf Handelstagen gaben die Papiere moderat nach.