CDU-Ringen um Abgrenzung: Ministerpräsident Schulze will Foto-Streit nicht überbewerten

15.06.2026


Ein einziges Foto setzt mitten im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt die politische Kommunikation der CDU unter Druck. Das Bild, aufgenommen bei einer Podiumsdiskussion in Halberstadt, zeigt AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und den CDU-Landtagsfraktionschef Guido Heuer eng beieinander. Beide greifen zum gleichen Mikrofon, Heuer stützt sich sichtbar auf Siegmunds Schulter – eine Szene, die in sozialen Netzwerken den Eindruck von Vertrautheit und Nähe zwischen beiden Politikern geweckt hat. In einem Bundesland, in dem seit Monaten über die Stabilität der von der CDU ausgerufenen „Brandmauer“ zur AfD diskutiert wird, reicht ein solcher Moment für eine weitreichende Debatte.

Heuer weist den Vorwurf einer politischen Annäherung entschieden zurück. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur betonte der CDU-Politiker, die Situation sei „eher Konfrontation, keine Verbrüderung“ gewesen. Hintergrund sei gewesen, dass sich mehrere Diskutanten zwei Mikrofone teilen mussten. Als Siegmund aus Heuers Sicht „die Unwahrheit“ gesagt habe, habe er ihm ins Mikrofon gegriffen, um zu widersprechen. Mehr sei darin nicht zu sehen, sagt Heuer. Ähnlich äußerte sich Ministerpräsident Sven Schulze (CDU), der erklärte, man solle das Foto „nicht überbewerten“; Heuer habe lediglich nach einem Mikro gegriffen.

Die Diskussion fällt in eine Phase, in der die parteipolitische Statik im Land im Umbruch ist. Für die Landtagswahl am 6. September sehen Umfragen die AfD mit rund 40 Prozent klar vor der CDU, die demnach bei etwa 25 Prozent liegt. Diese Konstellation befeuert immer wieder Spekulationen, ob beide Parteien nach der Wahl zusammenarbeiten könnten. Schulze hat eine Kooperation jedoch mehrfach ausgeschlossen und versucht, die Abgrenzungslinie zu halten, während zugleich der Druck wächst, auf mögliche künftige Mehrheitsverhältnisse Antworten zu formulieren. Dass das Foto aus Halberstadt nun in diese Diskussion hineinspielt, zeigt die Nervosität im politischen Betrieb.

AfD-Spitzenkandidat Siegmund interpretiert die Aufregung um das Bild anders. In sozialen Netzwerken attackiert er die CDU und setzt weiterhin auf eine Alleinregierung seiner Partei. „Wir können unser Land nicht mit denen retten, die es in diese Lage gebracht haben“, schrieb er auf X. Zugleich betonte er gegenüber der „Magdeburger Volksstimme“, ihm sei bei allen politischen Differenzen ein „vernünftiger Umgang miteinander“ wichtig. Die Kritik an der Szene wertet er als „künstliche Aufregung“ und Beleg für die „Verzweiflung unserer politischen Gegner“. Während die CDU-Spitze versucht, den Vorfall kommunikativ kleinzuhalten, nutzt die AfD die Debatte, um sich sowohl als stärkste Kraft in den Umfragen als auch als Zielscheibe der übrigen Parteien zu inszenieren.

Der Vorfall überschattet damit auch den landespolitisch fokussierten CDU-Landesparteitag in Dessau-Roßlau, der am Wochenende ohne prominente Bundesvertreter wie Bundeskanzler Friedrich Merz stattfand. Die Christdemokraten wollten dort bewusst die eigenen Themen und den Kurs von Schulze für den Wahlkampf in den Mittelpunkt stellen. Dass nun ein Bild von einer externen Podiumsdebatte die Aufmerksamkeit bindet, unterstreicht, wie stark Symbolbilder in Zeiten intensiver Wahlkämpfe wirken – und wie schnell sie die strategisch gewollte Botschaft einer Partei in den Hintergrund drängen können.

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Deutsche Bischöfe beenden Beratungen zu Demokratie, Missbrauchsaufarbeitung und Laienbeteiligung

08.10.2026


Mit einem Gottesdienst und einer Abschlusspressekonferenz endet an diesem Donnerstag in Fulda die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Unter der Leitung ihres neuen Vorsitzenden, des Münsteraner Bischofs Heiner Wilmer, haben die katholischen Bischöfe seit Montag eine Vielzahl gesellschafts- und kirchenpolitischer Themen beraten. Auf der Agenda standen Fragen der demokratischen Kultur in Deutschland, die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs, ethische Konfliktfelder wie Leihmutterschaft sowie der Umgang mit neuer Technologie wie Künstlicher Intelligenz. Hinzu kamen innerkirchliche Schwerpunkte wie die Entwicklung der Erwachsenentaufen, die Mitwirkung von Laien und der Einsatz in sozialen Medien.

Deutlich positionierten sich die Bischöfe zum politischen Klima im Land. Wilmer warnte mit Blick auf eine mögliche Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen-Anhalt vor einem „Paradigmenwechsel“. Die Partei stelle die Grundwerte des gesellschaftlichen Zusammenlebens infrage und wolle „ein anderes Deutschland“, sagte der Vorsitzende zum Abschluss der Beratungen. Besonders kritisch sehen die Bischöfe, dass einige Positionen der AfD aus ihrer Sicht mit dem christlichen Glauben und dem zugrunde liegenden Gottes- und Menschenbild nicht vereinbar seien.

Der DBK-Vorsitzende stellte sich demonstrativ hinter den Magdeburger Bischof Gerhard Feige und das Bistum Magdeburg, vor allem mit Blick auf Spekulationen über mögliche Folgen einer AfD-geführten Landesregierung. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang, ob etwa der Einzug der Kirchensteuer zur Disposition stehen könnte. Die Kirche müsse „mit allem rechnen“ und stelle sich so auf, „dass wenn große Erschütterungen kommen sollten, wir gewappnet sind“, betonte Wilmer. Es dürfe nicht sein, dass ein Bistum durch politische Weichenstellungen im Nachteil sei.

Die Bischöfe sehen sich zugleich mit einem Stimmungsumschwung in Teilen ihrer eigenen Basis konfrontiert. Nach Aussage Wilm ers ist es „erschreckend“, wenn rund 30 Prozent der Katholikinnen und Katholiken in Ostdeutschland die AfD wählen, die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft ist. Als Antwort auf wachsenden Antisemitismus und gesellschaftliche Polarisierung verweist die Bischofskonferenz auf die jüdisch-christliche Tradition, auf Menschenwürde und Solidarität. Auftrag der Kirche sei es, mit den Menschen zu reden, ihnen zuzuhören und so den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Neben der politischen Lage blieb die Kirche bei der Vollversammlung auch mit eigenen Reform- und Krisenthemen befasst. Die Bischöfe berieten über weitere Schritte bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch und diskutierten, wie Laien stärker an Entscheidungsprozessen beteiligt werden können. Zudem rückten neue Handlungsfelder in den Blick: Die wachsende Bedeutung von Social Media und der Einsatz Künstlicher Intelligenz in Pastoral und Verwaltung werfen für die Kirche Fragen nach Verantwortung, Transparenz und ethischen Leitplanken auf. Die Beschlüsse und Leitlinien der Konferenz sollen in den kommenden Monaten in den Diözesen konkretisiert werden.