Arbeitsrechtler warnt: Exzessive Handynutzung kann Abmahnung nach sich ziehen

23.03.2026


In vielen Büros gehört der schnelle Blick aufs Smartphone längst zum Arbeitsalltag. Eine explizite Regelung zur privaten Handynutzung gibt es in den meisten Unternehmen aber nicht, sagt der Berliner Fachanwalt für Arbeitsrecht Peter Meyer. Solange Beschäftigte nur kurz eine Nachricht beantworten oder einen dringenden Anruf entgegennehmen, ist das in der Regel unproblematisch – vorausgesetzt, die Nutzung bleibt verhältnismäßig und zeitlich eng begrenzt.

Rechtlich kippt die Lage, sobald das Gerät zum dauerhaften Begleiter wird: Längere Privattelefonate, intensives Scrollen durch Social-Media-Feeds oder die Nutzung als reiner Zeitvertreib können nach Einschätzung Meyers einen Verstoß gegen arbeitsvertragliche Pflichten darstellen. Arbeitgeber dürfen in solchen Fällen reagieren – von der einfachen Ermahnung bis hin zur förmlichen Abmahnung. Eine fristlose Kündigung allein wegen exzessiver Smartphone-Nutzung hält der Jurist hingegen in der Regel nicht für gerechtfertigt.

Unternehmen können den Zugriff auf private Mobiltelefone zudem enger fassen, als vielen Beschäftigten bewusst ist. In sicherheitsrelevanten Bereichen etwa sind strikte Verbote rechtlich möglich. Dort legen interne Richtlinien teils detailliert fest, ob Smartphones überhaupt mit an den Arbeitsplatz gebracht werden dürfen oder ob lediglich bestimmte Anwendungen und Programme tabu sind.

Meyer, Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein, rät Beschäftigten wie Arbeitgebern zu klaren Absprachen. Wo es keine ausdrücklichen Vorgaben gibt, gilt: Kurz und notwendig ist erlaubt, dauerhafte private Online-Präsenz während der Arbeitszeit nicht. Für Unternehmen bleibt die Herausforderung, einen praktikablen Mittelweg zwischen Erreichbarkeit, Produktivität und Sicherheit zu definieren – bevor der Streit ums Handy vor dem Arbeitsgericht landet.

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Europa-Börsen im Rebound-Modus – Anleger bleiben vor Wochenende vorsichtig

23.03.2026


Europas Aktienmärkte haben sich am Freitag von ihren heftigen Verlusten am Vortag erholt. Gestützt von einer Entspannung an den Energie- und Terminmärkten sowie vagen Hoffnungen auf ein schnelleres Ende des Kriegs im Nahen Osten legten die Leitindizes im frühen Handel zu. Der Euro-Stoxx-50 rückte in der ersten Handelsstunde um 0,86 Prozent auf 5.662 Punkte vor, der Dax gewann 0,85 Prozent auf 23.036 Zähler. In Wien stieg der ATX um 1,2 Prozent, auch der britische FTSE-100 notierte fester.

Am Donnerstag hatten Sorgen über eine weitere Eskalation im Nahen Osten die Ölpreise und in der Folge die Inflationserwartungen in die Höhe getrieben. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent war zeitweise über 119 US-Dollar geklettert und hatte damit eine Verkaufswelle an den Aktienmärkten ausgelöst. Mittlerweile kostet Brent mit 109 Dollar wieder deutlich weniger. Die Beruhigung an den Energie- und Gasmärkten nimmt etwas Druck von den Konjunkturängsten, auch wenn Anleger die Entwicklung weiterhin aufmerksam beobachten.

Zur verbesserten Stimmung trugen Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu bei, die an den Märkten als Signal für ein möglicherweise schnelleres Kriegsende gewertet werden. Netanyahu sagte laut „Times of Israel“, der Iran sei schwächer denn je und könne kein Uran mehr anreichern sowie keine ballistischen Raketen mehr herstellen. Die Angriffe auf die Islamische Republik würden jedoch fortgesetzt, „so lange dies notwendig ist“. Trotz dieser Aussagen bleibt das Umfeld fragil: Je nach Nachrichtenlage aus der Region rechnen Marktteilnehmer im Tagesverlauf mit erneuten größeren Kursschwankungen.

Zusätzliche Volatilität bringt der sogenannte große Verfalltag. An diesem Freitag laufen an den Termin- und Derivatebörsen Futures und Optionen auf Aktien und Aktienindizes aus. Rund um diesen Termin kommt es häufig zu spürbaren Marktbewegungen, weil Investoren Positionen schließen oder neu ausrichten. In den Sektorindizes holten vor allem Bank-, Reise- und Bauwerte Verluste vom Vortag auf, während Ölaktien nach dem Rückgang der Rohölnotierungen tendenziell unter Druck gerieten. Viele Anleger bleiben gleichwohl vorsichtig und neigen dazu, vor dem Wochenende Risiken zu reduzieren, um sich gegen mögliche negative Überraschungen aus dem Nahen Osten abzusichern.