Aldi schließt ältere Filialen im Zuge strategischer Neuausrichtung

11.03.2026


Der deutsche Lebensmittelhandel befindet sich Anfang 2026 in einer Phase der Neuordnung, wobei erstmals seit Jahren rückläufige Standortzahlen bei Discountern zu verzeichnen sind. Besonders Aldi Nord und Aldi Süd haben in den vergangenen Wochen mehr Filialen geschlossen als neu eröffnet, was bundesweit zu Aufmerksamkeit führt. Im März 2026 lag die Nettoveränderung der Aldi-Gruppe bei minus acht Filialen, und zahlreiche Kunden stehen vor verschlossenen Türen. Diese Entwicklung ist jedoch kein Rückzug aus dem Markt, sondern Teil eines strategischen Umbaus, der auch andere Discounter wie Netto Marken-Discount und Penny betrifft, während Lidl im gleichen Zeitraum leicht zulegte.

Hinter den Schließungen steht ein gezielter Plan, der vor allem ältere Filialen aus den 1980er- und 1990er-Jahren betrifft. Viele dieser Standorte gelten als zu klein, zu unmodern und erfüllen die heutigen Anforderungen an Einkaufskomfort, Frischwarenabteilungen und Ladenstruktur nicht mehr. Bei Aldi Nord wurden beispielsweise Filialen in Hamburg-Hamm, Hamburg-Barmbek, Hamburg-Wilhelmsburg, Bremen-Gröpelingen sowie in Berlin-Lichtenberg und Berlin-Neukölln geschlossen, wobei letztere nach einem Umbau wiedereröffnen soll. Aldi Süd gab Standorte in Offenburg, Aschaffenburg und Augsburg auf, und in Worms erfolgte eine Standortfusion mit einer vergrößerten Filiale.

Parallel zu den Schließungen eröffnen Aldi Nord und Aldi Süd neue, deutlich größere Märkte in Städten wie Stuttgart-Vaihingen, München-Riem, Karlsruhe-Durlach, Hannover, Kiel und Magdeburg, sowie im Einkaufszentrum "Das ES" in Esslingen. Diese neuen Standorte sind nach einem zeitgemäßen Filialkonzept gebaut, das mehr Platz für Frischeartikel, einen Fokus auf Nachhaltigkeit, Selbstbedienungskassen und Schnellladesäulen für Elektrofahrzeuge auf den Parkplätzen bietet. Im urbanen Raum entstehen so neue Einkaufserlebnisse, die sich vom klassischen Discounter-Image lösen und sich stärker an Vollsortimentern wie Rewe oder Edeka orientieren sollen.

Branchenbeobachter erwarten, dass Aldi Nord und Aldi Süd 2026 und 2027 rund ein Prozent weniger, aber deutlich größere Standorte betreiben werden. Diese strategische Bereinigung spiegelt eine Veränderung im Kaufverhalten wider, bei der alte Einkaufsgewohnheiten aufgegeben werden. Für Verbraucher bedeutet dies, dass die Schließungen kein Zeichen von Schwäche sind, sondern auf eine langfristige Modernisierung des Filialnetzes abzielen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den sich wandelnden Marktanforderungen gerecht zu werden.

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Von Moskau und Thailand aus gesteuert: Ermittler nehmen rechtsextremen Verlagsunternehmer ins Visier

14.03.2026


Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe geht mit einer großangelegten Razzia gegen ein mutmaßlich europaweit agierendes rechtsextremes Verlagsnetzwerk vor. Im Zentrum der Ermittlungen steht der Verlag „Der Schelm“, der seit Jahren antisemitische Schriften, Nachdrucke aus der Zeit des Nationalsozialismus sowie rassistische und den Holocaust leugnende Veröffentlichungen über einen Onlineversand vertreibt. Die Durchsuchungen begannen am Mittwochmorgen zeitgleich in mehreren Bundesländern sowie im Ausland und richten sich gegen insgesamt acht Beschuldigte.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden sechs Männern und zwei Frauen deutscher Herkunft vorgeworfen, zwischen 2022 und 2024 in mindestens 488 Fällen gemeinschaftlich volksverhetzende Druckwerke hergestellt, verbreitet, geliefert und gelagert zu haben. Zu den Beschuldigten zählen unter anderem zwei Druckereibesitzer, ein Grafiker, ein IT-Spezialist und der Inhaber eines Business-Centers. Ein Druckereibesitzer soll Beihilfe geleistet haben. Hauptbeschuldigter ist der aus Leipzig stammende Verlagsinhaber Adrian P., der seit Jahren im Ausland lebt und laut früheren Angaben bereits einmal einer Auslieferung entgangen sein soll.

Bundesweit rückte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit Unterstützung örtlicher Polizeikräfte aus. Durchsucht wurden Wohnungen und Geschäftsräume in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen, darunter nach rbb-Informationen Standorte in Leipzig, Pforzheim, Neuenbürg, Bottrop, Schönwald und Wertheim. Parallel dazu koordinierten die Karlsruher Ermittler Maßnahmen im Ausland: In Polen wurde eine Druckerei überprüft, in Spanien nahmen sich Beamte eine Lagerhalle sowie weitere Privat- und Firmenräume vor.

Die Einsatzkräfte stellten umfangreiche Beweismittel sicher, darunter gedruckte Schriften, Bestelllisten, Propagandamaterial, NS-Devotionalien sowie Computer und Datenträger. Der Verlag „Der Schelm“ bietet nach übereinstimmenden Recherchen seit mindestens einem Jahrzehnt rund 100 Nachdrucke antisemitischer Bücher und Schriften aus der NS-Zeit sowie weitere in Deutschland verbotene Titel an. Ermittler sehen in den aktuellen Maßnahmen einen weiteren Schritt, die Vertriebsstrukturen des Netzwerks zu zerschlagen und die Verantwortung der mutmaßlichen Betreiber strafrechtlich aufzuarbeiten.